Kinder wühlen von Natur aus gerne im Dreck, sie werfen mit Erde und matschen im Schlamm. Seitdem aber in den frühen 1990ern Gameboy, Playstation oder Tamagochi in die Kinderzimmer einzogen, verschiebt sich der kindliche Spieltrieb immer weiter aus der haptischen in die visuelle Sphäre. Heute ist es die Norm, wenn wir und auch unsere Kleinsten ständig und überall auf Touchpads herumstreichen, unsere Augen visuellen Leuchtspuren und optischen Reizen folgen und wir dabei permanent hochfrequenten Tönen ausgesetzt sind.

Sicher, es entspricht den Anforderungen der Zeit und ist mit Blick in die Zukunft nützlich, wenn sich Kinder schon frühzeitig und sicher in der Welt der Technik bewegen. Doch wie kindgerecht ist eine Kindheit, die ohne den handfesten Kontakt zur Erde und den Stoffen auskommt? Und was bedeutet dies für die Entwicklung von Motorik, Fingerfertigkeit und räumlichem Denken?

Der Kurs „Plastisches Gestalten“ an der Kindermalschule der Schule für Bildende Kunst und Gestaltung bietet hierfür das richtige Gegenangebot. Hier, mitten in Prenzlauer Berg, kommen Kinder (und manchmal auch Eltern oder Großeltern) zusammen, um den Umgang mit Ton zu erlernen. Geleitet wird der Kurs von Yulia Boldyrev, einer in Taschkent, Düsseldorf und Berlin ausgebildeten Malerin und Kunstpädagogin.

Selbst zweifache Mutter, gestaltet Julia den Ton-Kurs so, dass das insbesondere Bedürfnis nach individueller Zuwendung Ausdruck findet.

Bei diesem Kurs geht es darum, bewusst und achtsam die eigenen Hände zu spüren, zu begreifen, welche Kraft und Gestaltungskraft in ihnen steckt, welchen Rhythmus dieser Tanz der Hände vorgibt. Einige gehen sogar soweit, diese Beschäftigung als Bewegungstherapie zu verstehen, denn nachweislich hilft dies gerade bei Konzentrationsschwächen oder „Zappelphillipp-Erscheinungen“.

Die Kinder erlernen dabei

  • Ton zu formen, zu bearbeiten, zu brennen;

  • das Bewusstsein für das Material (Ton);

  • den richtigen Griff und Dreh, um Widerstände im Material zu überwinden;

  • die Geduld, Ziele (die Form) zu erreichen und zu formen;

  • die Perspektive zu wechseln;

  • plastisch und dreidimensional zu denken, denn beim „Begreifen“ des Raumes werden dieselben Gehirnkammern trainiert, die es auch für das mathematische und geometrische Verständnis braucht.

Yuliya, selbst zweifache Mutter (8 & 10), legt größten Wert auf eine herzliche und fördernde Atmosphäre, auf emotionale Bindung zu und zwischen ihren Schülerinnen und Schülern sowie auf deren individuelle Förderung. Einzigartig ist sicherlich auch die Atmosphäre an dieser Schule mitten in Prenzlauer Berg.

Die Kindermalschule findet jeden Nachmittag statt, von Dienstag bis Samstag. Ein Kurs dauert zwei Stunden. Aktuell läuft der Kurs „Plastisches Gestalten“. Teilnehmen können Kinder ab fünf Jahren. Herzlich willkommen sind selbstverständlich auch Familien (Eltern oder Großeltern oder …), die gemeinsam teilnehmen und Zeit verbringen wollen. Schauen Sie gerne vorbei.